Selbstüberschätzung & Selbstgefälligkeit gepaart mit Angstkultur – Rezept für Desaster

Der vierstrahlige Jumbolino durchbricht die Wolkenuntergrenze und vor den Augen der Cockpit Crew sind nur noch Bäume zu sehen.

Ein ´go-around´ kommt zu spät und der Versuch, die Maschine durchzustarten scheitert. Der Crossair Flug 3597 kracht in den Wald, bricht durch das Geäst und fängt Feuer.

So beschreibt der TV-Sender National Geographic den Unfall vom späten Novemberabend 2001 in seiner Dokumentarreihe „Air Crash Investigation“. Die Serie ist schon dicht an der Realität.

Ich nenne Ihnen die Gründe für den Absturz anhand des offiziellen Berichtes des Büros für Flugunfalluntersuchungen und zeige Ihnen Parallelen zum Unternehmenskontext auf.

Was war geschehen? Der Pilot hatte beim Landeanflug auf Piste 28 die vorgeschriebene Mindesthöhe (Minimum Descent Altitude, MDA) nicht eingehalten und diese wissentlich unterschritten – aber warum?

Laut Presseberichten und der Anklage im folgenden Gerichtsverfahren, pflegte Firmengründer Moritz Suter wohl einen eher autoritären Führungsstil. Die Flugsicherheit wurde dabei gerne mal der Expansionspolitik untergeordnet. Suter habe, diesen Quellen zufolge, gelegentlich gegenüber Piloten sogar durchblicken lassen, es sei durchaus erwünscht, die minimale Flughöhe zu unterschreiten, wenn dadurch ein Zeitgewinn erzielt werden könne.

Haben Sie Ähnliches vielleicht schon mal selbst im Unternehmen erfahren? Ich auf jeden Fall: „… das Projekt muss zu Ende gebracht werden, egal wie Du das machst …“ oder „… halt den Bericht mal zurück, das müssen wir den Gesellschaftern anders erklären …“, sind Aussagen, die ich von CEOs schon mal gehört habe.

Auch die Cockpit Crew von Flug 3597 stand unter Druck. Zudem war der Flugkapitän von sich aus schon bereit, Risiken einzugehen: Während seiner Dienstzeit war es bereits früher zu gefährlichen Vorkommnissen gekommen und es wurden ihm Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit attestiert.

Ein Fall, den es so in Firmen nicht gibt, sagen Sie. Ich denke schon! Die Haltung, „… die anderen können das vielleicht nicht schaffen, ich aber schon …“ oder „… Regeln? Die gelten für mich, oder hier im speziellen Fall, nicht …“, ist geläufiger als man gemeinhin annehmen mag. Genau das war die innere Einstellung und das Muster des Flugkapitäns.

Ziehen wir unsere Schlüsse daraus: Dazu greife ich auf meinen Erfahrungsschatz der letzten Jahre zurück, meine eigene fliegerische und unternehmerische Praxis.

Im Flieger lohnt es, sich selbst immer wieder zu fragen: „Ist das, was ich jetzt gleich mache, durch die gültigen Verfahren gedeckt und entspricht es „Good Airmanship“?“ In Unternehmenssituationen sind wichtige Fragen: „Was genau treibt mich wirklich bei meinen Entscheidungen an, wo kommen meine aktuellen Wünsche eigentlich her und vor allem, gehören die jetzt hier, in den aktuellen Kontext, überhaupt hin?“

Wir sind beim Gegenpol zur Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit – bei Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion. Die Fähigkeit zu Letzterem beschützt Leben in Flugzeugen und hält Mitarbeiter in Unternehmen.

Mir persönlich haben die Fragen oben schon oft geholfen, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen, mir meine eigenen Muster und Präferenzen bewusst zu machen und dann Sachverhalte umfassender einzuschätzen.

Im Vortrag WER FLIEGEN WILL, MUSS FÜHREN KÖNNEN bekommen Sie genau dazu wertvolle Impulse: Wie Sie selbst mit cockpit-generierten Methoden und anhand meiner eigenen überstandenen Unternehmenskrisen, zu alternativen Entscheidungen kommen.