„Keep the Loop“ – mit jemandem wirklich verbunden sein

Mein Kapitän und ich hatten unsere Fluggäste passend zum Wochenende nach Nizza geflogen: unsere Kunden hatten ihre Kunden zum Formel 1 Rennen eingeladen. Am Sonntagabend wollten wir diese wieder einsammeln, doch dass der Rückflug zum Problem werden würde, konnten wir nicht ahnen…

Unstimmigkeiten an Bord

An diesem Nachmittag waren die Computer der französischen Flugsicherung ausgefallen und wir konnten den Flughafen von Nizza nicht wie üblich nach Instrumentenflugregeln verlassen. So stand unser Flugzeug mit vielen anderen Verkehrs- und Geschäftsflugzeugen auf dem Vorfeld und wie alle warteten wir auf den Abflug.

Plötzlich bot sich eine Möglichkeit, nach den sogenannten Sichtflugregeln heim zu fliegen und so nutzten wir den Augenblick, sammelten in Windeseile unsere Passagiere auf und stiegen allesamt schleunigst ins Flugzeug.

Wie immer zückte ich die Checkliste, um die vorgesehenen Verfahren im Zweier-Team durchzuführen. Doch mein Kapitän hatte es eilig und wir hasteten eher durch die Checks als dass wir diese vernünftig abarbeiteten – gleiches galt für den neuen, für uns unüblichen, Abflugweg nach Sichtflugregeln. Am Abflugpunkte vor der Startbahn versuchte ich noch einmal die Route gemeinsam durchzugehen, doch mein Kapitän drückte weiter aufs Tempo: „Nein, nein! Wir müssen jetzt los!“

Ich war schockiert und unfähig mich durchzusetzen. Jung und zu der Zeit noch wenig erfahren, folgte ich meinem Kollegen … und schaltete auf „beleidigt“. Genauso wie zu erwarten, bog er einige Augenblicke nach dem Start auch „falsch ab“: nicht ungefährlich bei der Topografie des Geländes nördlich von Nizza.

Schon bald erklang im Funk die Stimme des französischen Fluglotsen: „… are you sure where you are going?“ Für mich war das in diesem Augenblick eine echte Genugtuung: ich hatte es ja kommen sehen! Rückblickend eine erschreckende Einstellung.

Kommunikation auf Augenhöhe ist das A und O

Endlich steuerten wir zurück auf den korrekten Abflugweg und flogen über die Schweizer Alpen nach Hause. Der weitere Flug war ereignislos und nach der Landung verabschiedeten wir die Passagiere wie gewohnt.

Aber uns war klar, dass wir den Abflug sauber verbockt hatten und so setzen uns noch einmal zusammen, um den gesamten Flug Revue passieren zu lassen. Und wir waren uns einig: in so eine Situation wollten wir uns nie wieder bringen!

Der „Trick“ in der Zusammenarbeit ist eben Achtsamkeit zu erhalten, sich mit dem Partner zu verbinden und zu verstehen, was in ihm vorgeht – emotional und gedanklich. Wichtig ist es darüber hinaus auch, sich Gehör zu verschaffen und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Die Haltung muss immer sein: wir wollen zueinander finden! Denn wenn das funktioniert, vermeidest Du es, nicht auf der gleichen Wellenlänge zu sein und schaffst das Gegenteil herzustellen – Du bleibst mit Deinem Gegenüber „in the Loop“.

 

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