Selbstüberschätzung und Überheblichkeit – ein Rezept für Desaster

Wie wäre es, wenn es Dir leichtfallen würde, die richtigen Ziele für deine Organisation zu definieren?

Es war ein trüber Abend im November 2001. Die Maschine der Crossair mit der Flugnummer 3597 befindet sich auf dem Weg von Berlin nach Zürich: Schneetreiben, niedrige Wolken und nur geringe Sicht. Die Crew bereitete sich daher auf den Landeanflug auf die Piste 14 vor – denn diese war schließlich mit einem Instrumentenlandesystem ausgestattet, dessen Leitstrahlen einerseits die Mitte der Landebahn anzeigten und andererseits den richtigen Abflugwinkel markierten. Leider nur durfte die Maschine nicht auf Piste 14 landen. Der Grund: Lärmschutz. Stattdessen wurde Piste 28 angewiesen – die hatte aber kein Instrumentenlandesystem …

Die Tragödie nimmt ihren Lauf

Bei marginalen Wetterbedingungen begab sich die Crew der Crossair 3597 in den Landeanflug. Dabei hielten sich die Piloten jedoch nicht an die vorgegebene Mindesthöhe – die Minimum Descent Altitude (MDA) – sondern unterschritten dieses Minimum gesetzeswidrig, sanken weiter: Das Flugzeug schlug vier nautische Meilen vor der Landebahn auf. Dabei hätte das Unglück durchaus verhindert werden können, wenn sich die Crew an die Regeln gehalten hätte.

Fatale Einstellung der Crew: Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit

Nach dem Absturz fragte man sich: Wie konnte das passieren? Warum missachtete die Crew die minimale Sinkflughöhe (MDA)? Die Flugunfalluntersuchung konnte hierzu die Antwort geben: Die Crew litt unter Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit und hatte dabei geltende Vorschriften gebrochen. Getreu dem Motto: Wir schaffen das unter allen Umständen! Und: Regeln, die gelten nur für andere, nicht für uns! Diese Haltung endete jedoch in einer Katastrophe.

So geht es sicher zum Ziel: Selbstwahrnehmung und -reflexion

Die Crew schaffte es nicht, ihren eigenen Wunsch, nämlich landen zu wollen, mit den aktuellen Wetterbedingungen abzugleichen. Es lohnt also, sich in kritischen Situationen zu fragen: Wo kommen meine Entscheidungen eigentlich her? Was beherrscht mich in der aktuellen Situation? Sind meine Wünsche mit dem derzeitigen Kontext überhaupt vereinbar? Um dies zu klären, solltest Du Dich der Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion bedienen. Die entscheidende Frage dabei: Warum tue ich das, was ich jetzt gleich tue? Wenn Du es schaffst die jetzige Situation mit Deinen inneren Mustern und Antreibern abzugleichen, wird es Dir in Zukunft leichter fallen, Ziele für Dich, für andere Menschen und Deine Organisation festzulegen.

Flug in die Verzweiflung

Wie wäre es, wenn es Dir leichtfallen würde, durch Change zu führen, ohne selbst Angst haben zu müssen?

Die 2000er – ein Jahrzehnt der Veränderung. Auch für mich und meinen Geschäftspartner war der Anfang der 00er-Jahre aufregend, denn wir gründeten sieben Firmen gleichzeitig im Ausland – mit nur rudimentärer Marktrecherche, ohne genug Kapital und zu dünner Personaldecke. Keine gute Idee …

Alle diese Firmen machten dann durch die Bank Verluste und jede Menge Arbeit – das einzige Unternehmen, das etwas Gewinn einbrachte, war unsere deutsche Mutterfirma. Obendrein machte uns zu diesem Zeitpunkt die Internetblase zu schaffen. Auf einem British Airways Flug nach London traf mich in dieser herausfordernden Zeit eine wesentliche Erkenntnis.

Flug in die Verzweiflung

Ich saß als Passagier in diesem Flugzeug als mir klar wurde, was hier eigentlich gerade passierte. Ich hatte mein ganzes Geld sowie das Geld meines Geschäftspartners und das von unserem Investor im Ausland investiert. Es war extrem frustrierend, als ich feststellte, dass alle diese Firmen im Verlust sind. Diese Erkenntnis traf mich so hart, dass ein Kloß in meinem Hals aufstieg und ich Mühe hatte, meine Tränen zu verbergen. Noch schlimmer: Ich hatte auch keine Idee mehr, was ich jetzt tun sollte. Da kam mir ein Begriff aus der Fliegerei in den Sinn: »level your wings first« – leg´ als allererstes die Tragflächen gerade. Das heißt, kümmere dich zunächst um das Allerwichtigste – richte die Tragflächen gerade aus, mache keine komplizierten Bewegungen, keine Sink- oder Kurvenflüge. Für Piloten die entscheidende Devise in schwierigen Situationen, in denen man vielleicht für einen Augenblick desorientiert ist und erstmal das Flugzeug stabilisieren muss.

»Level your wings first« – konzentriere Dich auf das Wesentliche

Dieser Begriff aus der Fliegerei, also sich auf das Wichtigste zu konzentrieren und Dinge zu vereinfachen, fiel mir in diesem Moment der Verzweiflung ein und ich machte mir noch während des Flugs Notizen zu den 5 wichtigsten Dingen und setzte diese in den nächsten 2 Tagen der Reihe nach um. Das hat mir wieder Handlungsfähigkeit beschert und es ist mir so leichter gefallen, durch den nötigen Change-Prozess zu führen, ohne selbst weiter Angst haben zu müssen.

Mein Know-how auf dem Gebiet der Fliegerei hat mich so stabilisiert. Wenn auch Du in einer Krise bist, kann es Dir helfen, Dich auf das Naheliegende zu konzentrieren.

Wie wäre es, wenn es Dir leichtfallen würde, Dich in jedem Personenkreis natürlich zu bewegen?

Kennst Du das Gefühl, wenn Du im Gespräch mit einer anderen Person merkst, dass diese nicht »echt« ist? Aufgesetztes, unnatürliches Verhalten führt dazu, dass wir unserem Gegenüber mit Abstand begegnen und gleich eine Gegenposition einnehmen. Auch bei Menschen, die uns gleich ihre ganze Lebensgeschichte erzählen, bleiben wir skeptisch. Das Geheimnis im Kontakt mit anderen liegt darin, dass wir das was wir sagen, erkennbar auch wirklich so meinen – und uns im richtigen Maß zeigen.

Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre war ich als Verkäufer bei IBM in Düsseldorf angestellt und erinnere mich gern an meine damalige Abteilung. Wir waren eine richtig gute Truppe, duzten uns und arbeiteten harmonisch zusammen. Unser Chef hingegen war etwas distanzierter. Er war primär immer »nur« der Vorgesetzte. Ist dies nun etwas Schlechtes?

Wissen woran Du bist

Bei unserer damaligen Führungskraft wussten wir jedoch eine Sache ganz genau. Und zwar woran wir sind. Es gab keine Unsicherheiten, denn es ist ihm immer gelungen uns spüren zu lassen, dass er das was er sagt auch wirklich meint und das, was er meint auch wirklich sagt. Eine rundum gute Sache, die unsere Zusammenarbeit extrem bereicherte. Die klare Kommunikation und das hohe Maß an Authentizität dieser Führungskraft haben wesentlich zum Erfolg unserer Teamarbeit beigetragen.

Authentizität – der Schlüssel für gelingende Zusammenarbeit

Das Agieren unserer damaligen Führungskraft bei IBM war für mich eine »dosierte Selbstoffenbarung«. Mein ehemaliger Chef hat genau das preisgegeben, was er wollte und das machte ihn überaus authentisch und glaubwürdig uns, seinen Mitarbeitern, gegenüber aber auch für alle anderen Gesprächspartner. Aus dieser Zeit habe ich mitgenommen: Wenn es gelingt, eine echte Beziehung und das richtige Maß an Bindung anzubieten und darüber hinaus andere Menschen seine eigenen Werte spüren zu lassen, entsteht ein ehrliches Miteinander. Gelingt dies, dann bewegst auch Du Dich völlig authentisch und normal gegenüber Kollegen- und Führungskräften und in jedem anderen Personenkreis.

Eastern Airlines 401 – ohne Prioritäten in den Crash

Wie wäre es, wenn Du Deine Strategien wirklich kennst?

Dezember 1972: Der Eastern-Arlines-Flug 401 befindet sich im Landeanflug auf Miami. Ein vermeintlicher Routineflug, der jedoch in einer Katastrophe endete, die 101 Menschen das Leben kostete. Das Flugzeug stürzte nachts in die Everglades in Florida – was war geschehen?

Als die Cockpitcrew das Fahrwerk ausfuhr, trat ein Problem auf. Die Kontrollleuchte, die die ordnungsgemäße Verriegelung des Bugfahrwerks bestätigen soll, leuchtete nicht auf. Der Flugingenieur führte eine Kontrolle aller Warnlämpchen durch und erneut blieb die Bugfahrwerkskontrollleuchte dunkel. Die Crew wusste also nicht, ob das Bugfahrwerk korrekt ausgefahren war. 

Alle konzentrierten sich auf nur eine Aufgabe

Die gesamte Cockpitcrew konzentrierte sich nun auf dieses einzige Problem an Bord. Alle Ressourcen und Kompetenzen wurden darauf verwendet, den Fehler zu finden. Es gab keine klare Aufgabenverteilung oder Delegation mit der katastrophalen Folge: Niemand flog das Flugzeug. Ein voll steuerbares Flugzeug stürzte also ab, weil sich niemand um die wirklich wichtigste Priorität an Bord kümmerte: das Fliegen selbst. Erst zu spät realisierte die Crew, dass die Maschine – bis dahin unbemerkt – Richtung Boden steuerte. Der Absturz war nunmehr die unvermeidbare Konsequenz: Mit 163 Passgieren und 13 Besatzungsmitgliedern an Bord stürzte die Eastern Air Lines Maschine in das Sumpfgebiet.

Prioritäten setzen!

Wie für einen Piloten gilt es auch für Führungskräfte zu entscheiden, welches die wichtigsten Aufgaben und Prioritäten sind. Die Fähigkeit, die Du hierfür brauchst, ist mit der Verantwortung, den Möglichkeiten und der Komplexität Deiner eigenen Rolle richtig umzugehen. Auf dem Weg dorthin kannst Du Dich immer wieder fragen:

Was tue ich jetzt?
Was ist das Wichtigste?
Was steht heute an erster Stelle und welche Ergebnisse müssen unbedingt erzeugt werden?
Was muss heute im Meeting unbedingt besprochen werden?
Auf welche Dinge kann ich verzichten?

Die Frage „Was tue ich?“ führt Dich automatisch zu der Fähigkeit mit der Komplexität Deiner Rolle umzugehen. Wenn Dir das gelingt, dann findest Du auch die richtigen Strategien, Vorgehensweisen und Prioritäten für Dein Unternehmen – ohne einem Absturz entgegenzusteuern.

Sind Sie bereit mit Ihrer Führung fliegen zu lernen?

Als unsere Unternehmensgruppe im Rahmen der Lehman-Krise Umsatzeinbußen von ca. 50% hatte, wurden wir bis aufs Fundament erschüttert. Doch trotz dieser Krisensituation gelang es den Crash abzuwenden und erneut durchzustarten. Einige entscheidende Faktoren dabei kamen aus der professionellen Luftfahrt.

Aus der einfachen Handlungsabfolge »aviate, navigate, communicate«, der Piloten in Ausnahmesituationen folgen, haben wir damals im Management-Team drei Fragen abgeleitet an denen wir uns orientierten. Wofür genau geben die Kunden uns eigentlich ihr Geld? Wie können wir das, was die Kunden bereit sind zu bezahlen, besser oder billiger produzieren? Und wie halten wir unsere Leute dabei an Bord?

Wie Piloten, die Prioritäten setzen und durchhalten, müssen auch Unternehmer und Führungskräfte Ziele, Aufgaben und Ressourcenverwendung vereinbaren und festlegen. Dabei stehen sie permanent vor Entscheidungssituationen, die es zu meistern gilt. Wer auch mit schwierigen Situationen offen umgeht und andere daran teilhaben lässt, schafft eine echte Gemeinschaft zur Krisenbewältigung – denn auch Führungskräfte erreichen ihre Ziele nicht alleine. 

Wie genau uns die Aspekte aus der Luftfahrt dabei geholfen haben, erfährst Du in meinem Artikel »Wer führen will, muss fliegen können« im aktuellen HERO Magazine der werdewelt.

Hier geht es zum Artikel.

Wie gut kennst Du Deine Produkte und Dienstleistungen wirklich?

Profitiere von der praktischen und emotionalen Verbindung zu Deinem operativen Geschäft.

Ist Dir vielleicht vor einiger Zeit am Samstagmorgen eine vollbeladene C-Klasse in Köln begegnet? Am Steuer zwei gut gelaunte Männer und der Kofferraum schwer bepackt? Dann waren das wahrscheinlich mein Geschäftspartner Werner und ich. Doch warum haben wir unsere Zeit am Wochenende für die Arbeit geopfert?

Eine ganz normale Arbeitswoche bestand für meinen Geschäftspartner Werner daraus, geeignete Standorte für unsere BlowUPs zu finden und zu akquirieren. Meine Aufgabe war es im Anschluss diese Werbeflächen zu verkaufen. Wir gingen aber noch einen Schritt weiter über diese Arbeit hinaus – indem wir am Wochenende losfuhren, um unsere BlowUPs selbst anzubringen.

Bock auf Hubwagen und Hilti

Samstags, während andere in Ruhe frühstückten, ihre Einkäufe erledigten oder später auf der Couch relaxten, war es für mich und Werner einfach völlig normal, loszufahren und unsere 200 bis 300 Quadratmeter großen BlowUPs zu montieren. Warum haben wir unsere Zeit am Wochenende dafür eingesetzt? Ganz einfach, weil wir Lust darauf hatten mit »Hubwagen und Hilti« selbst Hand anzulegen. Üblicherweise vollbeladen unterwegs in Nordrhein-Westfalen hatten wir Spaß daran, auch den operativen Teil unseres Geschäfts zu begleiten. Das schaffte eine tiefe Verbindung zu unseren Produkten von der letzten Endes auch unsere Kunden profitierten.

Unternehmerisches Dübeln

Das vollständige Erleben des eigenen Produkts – so wie wir es zu dieser Zeit hatten – nenne ich »unternehmerisches Dübeln«. Wenn auch Du es schaffst selbst Hand anzulegen, erreichst Du, wirklich mit Deinem Produkt oder Deiner Dienstleistung verbunden zu sein. Diese Verbundenheit mit Deinem operativen Tun wird auch von anderen Menschen und im besten Fall von Kunden wahrgenommen. Du kennst Deine Produkte und Dienstleistungen dann wirklich und das spiegelt sich jeden Tag positiv in Deiner Arbeit wider.

Welche Ziele willst Du wirklich verfolgen? Der Schlüssel zur Antwort liegt in der Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber

Aus der Zeit meiner ersten Coaching-Ausbildung ist mir eine Übung besonders im Gedächtnis geblieben. Du brauchst hierfür jemanden, der dir wohlgesonnen ist und sich zurücknehmen kann, denn es dreht sich einzig und allein um eine Frage.

„Was willst Du?“ Mit Sicherheit wurde Dir diese Frage auch schon gestellt – von Deinem Partner, einem Freund oder Deinem Vorgesetzen. Vielleicht sogar auch mehr als einmal. Doch was passiert, wenn Dich das jemand innerhalb kürzester Zeit immer und immer wieder fragt? Verändern sich Deine Antworten? Wenn Du bereit bist, Dich voll und ganz darauf einzulassen, wirst Du womöglich vom Ergebnis überrascht sein.

Was willst Du?

Ich machte diese Übung damals zusammen mit einem Kollegen und meine erste Antwort war, dass ich etwas wirklich Großes aufbauen möchte, etwas das jeder sehen sollte und das eindeutig mir zuzuschreiben war. Die Menschen sollten sagen: „Das ist ein cooles Ding vom Leuters.“ Die zweite Antworte zahlte auf die erste ein, denn ich wollte mit diesem Unternehmen auch wirtschaftlich unabhängig sein. Ich wollte etwas aufbauen, dessen Wert ich realisieren kann. So ging das eine ganze Zeit lang weiter. Im Mittpunkt standen Ruhm, Ehre und wirtschaftlicher Erfolg. Als ich das sechste oder siebte Mal geragt wurde, was ich will, merkte ich, dass ich in eine Situation kam, die mit den vorherigen nichts mehr zu tun hatte. Meine Antwort fiel dementsprechend komplett anders aus. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich am weißen Strand der Südsee. Am Horizont perlte die Sonne, das Wasser glitzerte und die Wellen liefen sanft am Ufer des Standstrandes aus. Vielleicht ein bisschen kitschig – aber dort stand ich nun ganz alleine mit der alles entscheidenden Frage: „Was will ich?“ Meine letzte Antwort kam ausschließlich aus mir selbst und hatte nichts mehr mit Ruhm und Ehre zu tun. Ich sagte: „Mit dem was ich tue möchte ich einfach nur, dass Menschen mich mögen, genauso wie ich bin.“ Es war der simple Wunsch nach bedingungsloser Annahme. Was ich in dieser Situation getan habe, glich einem Seelen-Striptease mir gegenüber und war geprägt von purer Ehrlichkeit – für mich eine wirklich reinigende Erfahrung.

Sei ehrlich zu Dir

So wie ich in dieser Situation 100% ehrlich zu mir selbst war, empfehle ich es auch anderen. Lass Deine eigene Maske vor Dir selbst fallen, so hast Du die Chance, tief in Dich selbst hineinzuschauen. Nur dort findest Du heraus, was Du willst und welche wirklichen Ziele Du privat und beruflich verfolgen möchtest.

Kannst Du auch in schwierigen Situationen leisten, was von Dir erwartet wird?

Wie viele Unternehmer traf auch mich die Lehman-Krise 2008 hart: Die blowUP-media Gruppe, als deren CEO und Gesellschafter ich tätig war, hatte ca. 50 Prozent des Umsatzes eingebüßt. Im Jahr 2007 waren es noch fast 35 Millionen Euro Jahresumsatz, 2008 nur noch 17,5 Millionen. Für ein Unternehmen mit 80 Mitarbeitern in fünf Ländern eine existentielle Bedrohung und unternehmerisch eine echte Nahtod-Erfahrung. 

Tatsächlich habe ich die ersten 11 Monate im Jahr 2008 gebraucht, um zu realisieren was passiert war, denn bis dato waren Expansion, Innovation und Investition meine Maßgaben. Dass es einmal anders aussehen würde, war für mich undenkbar und existierte in meiner Welt schlichtweg nicht.

Verzweiflung machte sich breit

Im November saß ich dann niedergeschlagen zu Hause auf der Bettkante und meine Frau fragte mich, was denn los sei. Ich sagte zu ihr: „Wenn wir es nicht schaffen, den Umsatz wieder auf das normale Niveau zu bekommen, ist unsere geschäftliche Existenz einfach weg.“ Alles würde verloren sein: Die Jobs der Mitarbeiter, der Invest, den wir als Gesellschafter getätigt haben, die Zeit, in der ich über viele Jahre nicht zu Hause bei meiner Familie sein konnte. In dieser Situation war für mich das Ende gekommen. In meiner Rolle als CEO der blowUP media Gruppe ist mir genau nichts mehr eingefallen – meine Möglichkeiten schienen erschöpft. Ein Moment, in dem sich Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung breit machte.

»Fruchtbares Leiden«

In dem Augenblick fragte ich mich, was ich denn noch Weiteres kann: Bei mir ist das die Fliegerei – bereits mit 13 habe ich mit dem Segelfliegen begonnen, bin mit knapp 18 Jahren zur Motorfliegerei gekommen und wurde sehr jung Fluglehrer und Berufspilot auf Geschäftsreiseflugzeugen. So konnte ich aus der Profi-Luftfahrt Dinge adaptieren, die mir dann als Unternehmer sehr geholfen haben: Haltungen, Einstellungen und konkrete Vorgehensweisen, die aus dem Cockpit kommen und im Unternehmen gut funktionieren. Ich hatte etwas gefunden, was ich über meine Rolle als CEO hinaus leisten kann. Ich konnte meine Sorgen mit einem Menschen teilen, der mir zuhörte und mir zur Seite stand – so entstand aus dem Leid auch etwas Positives und Fruchtbares. Ich war mir in dieser Situation dann wieder sicher, dass ich all die Dinge, die von mir erwartet werden, auch wirklich leisten kann.

Wofür stehst Du? Wie Leidenschaft und das »Warum« zu Sicherheit in der eigenen Rolle führen

Vor vielen Jahren hatte ich eine Präsentation bei einer Werbeagentur. Ich war vollkommen davon überzeugt, dass unser Medium »Riesenposter« mit einer Fläche von 300-400 Quadratmetern den Raum in großen Städten beherrscht – unsere Kunden prägten bereits den Begriff »The Medium is the Message«. Was diese Präsentation mit der Sicherheit in der eigenen Rolle zu tun hat? Lesen Sie selbst …

Damals war die vorherrschende Meinung: Wer sich auf einem solch großen Medium darstellt, der hatte auch etwas zu sagen. Wenn ein Unternehmen sein Produkt in dieser Größe platzierte, sorgte es automatisch für Aufmerksamkeit und heute würde man sagen, dass der Content bei uns das Medium selbst war. Mit dieser Überzeugung und Leidenschaft für mein Produkt hielt ich meine Präsentation.

Du bist ein echter Vollblutverkäufer

Im Anschluss kam die leitende Creative Directorin auf mich zu und sagte: „Du bist ja ein echter Vollblutverkäufer.“ Das hat mich in diesem Augenblick verwundert und war mir zugegeben auch etwas peinlich. Dann jedoch habe ich begriffen, dass die besten Verkäufer, diejenigen sind, die gar nicht merken, dass sie verkaufen. Und genauso war es bei mir während der Präsentation bei dieser mittelständischen Werbeagentur. An diesem Tag wurde mir bewusst, dass Menschen oft nicht dem folgen »WAS« Du tust, sondern dem »WARUM« Du es tust.  

Finde Dein »Warum«

Mein Tipp an dieser Stelle: Finde heraus, wie sehr Du emotional und gedanklich mit dem verbunden bist, was Du tagtäglich tust. Wenn jetzt noch die Fähigkeit und der Wille dazukommen, diese Passion mit anderen zu teilen, kommen in der Regel produktive Ergebnisse zustande. Weiß ich wofür ich stehe und warum ich das mache, was ich mache, dann werden Mitarbeiter, Kunden und Partner das Angebot, dieses mit ihnen zu teilen, auch annehmen. Das Ergebnis ist, dass ich mir automatisch sicher in meiner eigenen Rolle und auch in der Positionierung meines Unternehmens mit den entsprechenden Dienstleistungen bin.

Wie wäre es, wenn Du Deine Abhängigkeit von einigen wenigen im Unternehmen reduzieren könntest?

Die Jahre 2005/2006 waren eigentlich perfekt: Als erfolgreicher CEO und Gesellschafter der blowUP-media Gruppe, die fast 35 Millionen Euro Jahresumsatz generierte und mehr als 80 Mitarbeiter in fünf Ländern beschäftige, konnte ich mehr als zufrieden sein. Doch ich merkte, dass irgendetwas nicht stimmte – nämlich meine Art der Führung.

Ich führte meine Mitarbeiter wie auf einem Schachbrett und manipulierte sie. Im Nachhinein betrachtet eine echte »Sauerei«. Und: diese Art der Führung war die Abwesenheit von Beziehung und Vertrauen. Die Mitarbeiter konnten und wollten mir nicht trauen und ich fühlte mich abhängig von einigen wenigen im Unternehmen. Beides wollte ich dringend ändern.

Herr Leuters, eigentlich sind Sie ein netter Mensch, aber …

Um meinen Führungsstil zu verändern, suchte ich einen Executive Coach auf. Im Gespräch erzählte ich ihm sehr sachlich, dass es so nicht weitergehen könne und meine Art zu führen auf Dauer nicht den gewünschten Erfolg bringt. Er hörte sich meine Bedenken an und entgegnete mir dann etwas, mit dem ich nicht gerechnet hätte. „Herr Leuters, wenn ich nicht wüsste, dass Sie eigentlich ein netter Mensch sind, könnte ich mit so einem Arschloch wie Ihnen gar nicht zusammenarbeiten.“ Das war keineswegs das, was ich hören wollte. Meine erste Reaktion war, dass ich jetzt einfach aufstehe und gehe. So würde dieser Coach schnell sehen, wer denn der eigentliche Idiot sei – der, der gerade einen Neukunden verloren hat, oder ich. Doch ich spürte, dass er recht hatte und schließlich wollte ich ja auch kein Arschloch sein – und stellte mich dem nun eingeleiteten Veränderungsprozess.

Profitiere von der Einschätzung anderer

Eine bittere Wahrheit, die wir meistens nur von anderen serviert bekommen können, will niemand gerne hören, dennoch profitieren wir davon, diese Einschätzungen anzunehmen. Oft ahnen wir bereits, was hinter unserem Verhalten steckt, nur bis jetzt hat es niemand auch ausgesprochen. Wer sich auch mit den unangenehmen Seiten seiner selbst auseinandersetzt, hat die Chance, Dinge zu korrigieren und zu verändern. So war es auch bei mir – und dann gilt: ohne Schmerz keine Veränderung. Ich konnte so aber Vertrauen und Beziehung zu meinen Mitarbeitern aufbauen und die gefühlte Abhängigkeit deutlich reduzieren.