Delegieren – was es dafür braucht

Fragst Du Dich öfter, was das Geheimnis beim Delegieren ist?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns weiter zurückbeamen. Genauer gesagt geht es um den Flug von United Airlines 232 im Sommer 1989. Die Maschine befand sich im Reiseflug auf 37.000 Fuß (gut 11.000 Meter), als das hintere, mittlere, Triebwerk der DC-10 sich völlig zerlegte. Und: dieses Triebwerk hatte dabei auch alle drei Hydrauliksysteme zerstört … ohne Hydraulik ist ein solches Flugzeug nicht mehr steuerbar.

Die Kommunikation im Cockpit und auch zur Kabine hatte nun höchste Priorität. Jan Brown war damals die leitende Stewardess. Nach einem kurzen Blickkontakt mit Kapitän Al Haynes war klar, dass sie als leitende Stewardess umgehend die Kabine auf die Notlandung vorzubereiten hatte. Entscheidend war die kurze, knappe und fokussierte Mitteilung von Haynes dazu. Und das Wissen des Flugkapitäns darum, dass seine Mitarbeiterin alle Ressourcen und Kenntnisse hatte, um die Aufgabe zu verstehen und vor allen Dingen auch umzusetzen. So konnte Haynes auf die Erledigung dieser entscheidenden Aufgabe vertrauen und sich wieder auf die Notlage im Cockpit selbst fokussieren.

Eine ähnliche Situation erlebte ich in meiner Rolle als CEO bei der blowUP Media Gruppe. In der Lehman-Krise fragten wir uns: Haben wir im Unternehmen eigentlich den richtigen Fokus? Bisher waren wir sehr Umsatz- und Marktanteil getrieben – im Wachstum und zur Schaffung unserer Marktposition sicher richtig. Doch gilt das auch in der Notlage einer Weltwirtschaftskrise? Wir erkannten, dass wir nun einen anderen Fokus brauchten, um unser Unternehmen zu erhalten. So stellten wir auf die Fokusgröße Deckungsbeitrag um, denn in der Krise ging es eben um profitables Geschäft und weniger um Umsatz um jeden Preis. Die entscheidende Frage war also: Wieviel verdienen wir eigentlich am Stück?

Das war ein totaler Paradigmenwechsel. Wir brauchten neue Werkzeuge und Tools für die Mitarbeiter, damit diese den Deckungsbeitrag vor- und nachkalkulieren konnten und stellten alle wirtschaftlichen Ziele auf den Deckungsbeitrag um, wie z. B. die variable Bezahlung im gesamten Unternehmen. Als Gesellschafter lässt man dabei „die Hose runter“, denn hinterher weiß jeder, was mit der Firma verdient wird. Allerdings war diese Fokusgröße Deckungsbeitrag richtig und wir haben richtigerweise darauf vertraut, dass die Mitarbeiter die neue Ausrichtung verstehen und wir haben ihnen alle Tools und Werkzeuge gegeben, dass sie das gut umsetzen können. Bei United Airlines 232 war der Fokus auf das Wesentliche und Vertrauen in andere ein wichtiges Thema. Genauso war es bei unserer Umstellung von der Zielgröße Umsatz auf die Zielgröße Deckungsbeitrag. Dort war ebenfalls die Konzentration auf das Wesentliche, eine neue Zielgröße, und auch das Vertrauen in die Mitarbeiter, der entscheidende Punkt.

Menschen folgen Menschen

Angenommen, es würde Dir leichtfallen, andere dazu zu bekommen, Dir zu folgen…

Warum folgen Menschen anderen Menschen? Warum lassen wir uns inspirieren und was motiviert uns dazu? Sicher bist auch Du schon einmal jemandem gefolgt und hast Dich voller Begeisterung mitziehen lassen. Doch was war die Motivation des „Anderen“? Hatte er die gleichen Ziele? Ich habe vor vielen Jahren eine andere Erfahrung gemacht, mit der ich Dir gerne einen Denkanstoß geben möchte …

Zu meiner Zeit bei der blowUP Mediengruppe haben wir begonnen mit einem großen Außenwerber zusammen zu arbeiten, unserem Investor. Dessen große Vision war es, in Deutschland ein Außenwerbe-Imperium zu schaffen. Und wir von blowUP haben daran geglaubt, im Ausland ein kleines Außenwerbe-Imperium aufzubauen. Kurzum: Wir hatten beide Großes vor, etwas das wir anstrebten und einen starken Glauben daran.

Mir war es sehr wichtig, dass unser Investor eine Idee vor Augen hatte von dem, was erreicht werden sollte und ich war felsenfest davon überzeugt, dass es uns gelingen würde unternehmerisch etwas zu erschaffen … zumindest über viele Jahre …

Irgendwann jedoch kippte die Stimmung. Unsere Mutter-Gesellschaft, unser Investor, ging an die Börse und schon bald darauf merkten wir, dass es weniger darum ging, etwas Großes aufzubauen und zu gestalten, sondern vielmehr darum, primär finanzielle Werte zu schaffen.

Für mich war das damals ein echter Schock. Ich finde, jedes Tun braucht einen tieferen Sinn oder Zweck, den es verfolgt. Doch Reichtum, Berühmtheit oder der finanzielle Erfolg waren für mich immer nur ein Ergebnis und nie der Grund für ein Tun. Wenn man nun aber merkt, dass der Reichtum für jemanden an erster Stelle steht und nicht mehr der Zweck etwas Tolles zu erschaffen, dann kann diese Erkenntnis schon sehr enttäuschend sein …

Eines ist mir dank dieser Geschichte jedoch klar geworden: Menschen folgen nicht dem WAS Du tust, sondern Menschen folgen dem WARUM Du es tust.

Wenn Du dich für dieses Thema interessierst und ein paar interessante Impulse sammeln möchtest, empfehle ich Dir einen Blick auf Simon Sineks „Golden Circle“ – denn auch hier geht es um das Warum, das Wie und das Was.

„Hä? Wer ist denn Luke Aikins?“ Ein Sprung aus 7.500m Höhe – ohne Fallschirm?

Wie wäre es, wenn Du Dir wirklich sicher sein könntest, alle Aufgaben auch umsetzen zu können?

Ein Ereignis lockte im Jahr 2016 mehrere Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Voller Spannung warteten sie auf den riskanten Stunt von Luke Aikins. Ein Sprung aus 7.500 Metern Höhe. Ohne Fallschirm. Unter ihm ein Netz mit einer Kantenlänge von 30 mal 30 Metern, 60 Meter über dem Boden aufgespannt. Seine Mission: Dieses, aus der Vogelperspektive noch viel kleinere, Viereck zu treffen, das ihm die einzige Möglichkeit bot, diesen waghalsigen Sprung zu überleben… Und er schaffte es.

Ich habe in meiner Vergangenheit als Pilot selbst viele Fallschirmspringer in die Luft gebracht und schon immer dachte ich im Stillen: mmmh, was ist eigentlich falsch mit denen … (Humor intendiert). Vielleicht ist es aber auch nur eine gehörige Portion Mut und Verrücktheit. Was auch immer es ist, Luke Aikins musste das 1.000-fache davon gehabt haben, als er den Entschluss für diesen abenteuerhaften Sprung fasste. Hinzu kommt, dass seine Familie, Frau und Sohn, das ganze Spektakel vom Boden aus live miterleben durften. In meinen Augen war er damals einfach nur verrückt und dazu noch unverantwortlich.

Und doch reizte mich das Thema, sodass ich mich weiter mit dieser Person beschäftigte. Bald schon fand ich heraus, dass er bei seinem Sprung mit Methoden aus der professionellen Fliegerei arbeitete. Das Geheimnis: ein Lichterkreuz (kennen Piloten ähnlich als PAPI – Precision Approach Path Indicator). Befand er sich während des Sprungs zu weit vorne, so erschienen ihm Lichter unterhalb des Kreuzes. Befand er sich wiederum zu weit hinten, leuchteten Lichter oberhalb des Kreuzes. Gleiches Spiel mit den Seiten links und rechts. Sobald er das Lichterkreuz in der Mitte hatte, wusste er, dass ihm der Sprung gelingen würde. Er war ein absoluter Perfektionist und am Tag seines Vorhabens lagen bereits über 2 Jahre Planung hinter ihm.

Alles eine Frage der Haltung

Die Frage, die ich mir nun stellte: Mit welcher Haltung ist er an den Sprung gegangen? Mich erinnerte das an meine Zeit bei der blowUP media Gruppe. Eines Tages fasste ich mit meinen Partnern den Entschluss weitere Firmen im Ausland zu gründen. Wir starteten unsere Mission gleich und ohne sorgfältige Marktrecherche, ohne ausreichend Kapital und ohne genügend Personal. Kurzum: Wir haben es einfach gemacht. Es war durchaus risikobehaftet, aber wir haben halt schnell genug dazugelernt. Unsere Haltung zu dieser Zeit: Wir glaubten, dass die Märkte von England bis Spanien, von Frankreich bis Schweden nur auf uns gewartet haben. Natürlich war das letztendlich nicht so, aber wir glaubten daran es zu schaffen und wir glaubten an unser Know-how. Und das mit Erfolg.

Aus dieser Reflexion kann ich Dir folgenden Rat ans Herz legen: Glaube immer daran, dass Du selbst den entscheidenden Einfluss auf den Erfolg hast und dieser nicht primär von Dritten abhängig ist. Glaube daran, dass Du derjenige bist, der die Welt bestimmt und nicht, dass die Welt Dich bestimmt. Es ist alles eine Frage der Haltung.

Zu oft faule Kompromisse

Wie wäre es, wenn Du bei Personalentscheidungen keine „faulen Kompromisse“ machen müsstest?

Kennst Du das? Du betrittst Dein Unternehmen und gehst an den einzelnen Büros vorbei. Links, ein freundliches „guten Morgen!“, rechts ein leicht genervter Blick und die Kollegin im Büro hinten links lädt Dich direkt zum Smalltalk ein. Hand aufs Herz: Nicht immer ist man mit allen Menschen im Team auf der gleichen Wellenlänge. In meiner Zeit als Gruppengeschäftsführer einer Mediengruppe war das ähnlich. Mit den einen war ich gedanklich wie emotional eng zusammen, mit den anderen wiederum weniger – und immer der Gedanke: Arbeiten wirklich alle an der Zielerreichung? Die Frage, die sich oft dann stellt, lautet: Will ich mit allen Teammitgliedern nun weiter zusammenarbeiten oder führen unsere Wege in Zukunft in getrennte Richtungen?

Eine Entscheidung muss her…

Nicht immer macht gleich eine Kündigung Sinn. Was es hier braucht ist ein Entscheidungsmodell, welches weit darüber hinaus geht, ob man einen Menschen mag oder eben nicht. Entscheidend ist hier, ob die Werte des Unternehmens geteilt und die vereinbarten Ziele erreicht werden. Wenn Du Dir in einem solchen Konflikt diese beiden Fragen stellst, wird Dir die Entscheidung leichter fallen.

Im besten Fall teilt ein Mitarbeiter a.) die Werte des Unternehmens und erreicht b.) darüber hinaus auch die gesteckten Ziele: Ein echter Gewinn für das Unternehmen. Hier muss alles getan werden, um diese Mitarbeiter weiterhin zu halten – Stichwort: Mitarbeiterbindung. Es gibt aber auch das exakte Gegenteil: jemand, der c.) weder die Unternehmenswerte lebt, noch d.) die Ziele erreicht, die zuvor vereinbart wurden. Diese Situation ist für ein Unternehmen nicht tragbar. Eine Trennung ist hier die logische Konsequenz.

Werte vs. Ziele

Schwierig wird es jedoch, wenn folgende Situation auftritt: Jemand erreicht die wirtschaftlichen Ziele seines Geschäftsbereiches aber lebt nicht Werte des Unternehmens. Oder umgekehrt: Die Unternehmenswerte werden geteilt aber die Ziele werden nicht erreicht. Beides also deutlich komplizierter als die beiden o.g., eher klaren, Situationen. Hier musst Du Dich fragen: Ist der betreffende Mitarbeiter ein Asset für mein Unternehmen? Kann diese Person etwas Wichtiges zu meinem Unternehmen beitragen, das ihn unverzichtbar macht? Vielleicht ist es das über Jahre gesammelte Know-how, vielleicht sind es aber auch die wichtigen Kundenbeziehungen, die über die Jahre aufgebaut wurden. Auch kann es sein, dass diese Person einen erheblichen emotionalen Anteil zumUnternehmen beiträgt.

Fazit

Fördere Mitarbeiter bedingungslos, die ihre Ziele erreichen und die Unternehmenswerte teilen. Kündige, wenn jemand weder die Ziele erreicht noch die Werte achtet. Wenn ein Mitarbeiter, der die Ziele erreicht aber die Werte nicht teilt oder die Werte schätzt aber die Ziele nicht erreicht, doch ein Asset für das Unternehmen ist, dann solltest Du in dieser Situation bereit sein zu investieren: In Gespräche und vielleicht auch ein persönliches Coaching. Du wirst sehen, dieses Modell wird Dir in zukünftigen Personalentscheidungen eine wichtige Stütze sein. Wenn Du Deine Entscheidungen basierend auf diesem 4-Stufenmodell triffst, wird es Dir schließlich leichter fallen keine faulen Kompromisse zu machen, wenn es um Dein Personal geht.

Ausnahmezustand? Kein Problem!

Wie wäre es, wenn Du auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben würdest?

Es war eine der Mediensensationen im Jahr 2009: Die Notlandung des Airbus A320 im Hudson River. In gerade mal 1.000 Metern Höhe nach dem Start wurden Chesley Burnett Sullenberger, besser bekannt als »Sully« und sein Copilot Jeff Skiles mit Vogelschlag und ausgefallenen Triebwerken konfrontiert. Sie konnten das drohende Unglück durch ihre riskante Wasserlandung abwenden. Heute zählt der US-Airways-Flug 1549 zu den Meisterstücken der Luftfahrt.

Situationen, in denen nichts so ist wie es sein soll, kenne ich aus meiner unternehmerischen Tätigkeit gut. Damals war ich für meine Mediengruppe in Amsterdam unterwegs. Um unsere Werbemaßnahmen durchführen zu dürfen, war es hier notwendig vorher Baugenehmigungen einzuholen. Das war so lange kein Problem, bis das Stadtparlament den Entschluss fasste keine Baugenehmigungen mehr auszustellen. Und so stand ich da in einer Situation, die so nicht zu erwarten war. Was also tun?

Wie Piloten, so finden sich auch Unternehmer hin und wieder in Situationen, die sehr herausfordernd sein können. Sully und seine Crew haben ihre Herausforderung bestens gemeistert. Sie sind umgehend unter Zeitdruck alle Checklisten durchgegangen und haben blitzschnell reagiert. Mein Landesgeschäftsführer in den Niederlanden und ich haben ebenfalls nach alternativen Lösungen gesucht und schon bald neue Gebiete um Amsterdam herum erschlossen sowie vermehrt Lobbyarbeit betrieben. So haben wir die Situation langsam aber sich in den Griff bekommen.

Was lernen wir daraus?

Sully und seine Crew konnten die Wasserlandung durchführen, weil sie alles systematisch abgearbeitet haben und so erfolgreich in einer Situation operiert haben, die sehr außergewöhnlich war. Auch ich musste damals bei meiner Arbeit in Amsterdam ins Handeln kommen, musste so lange die Sache, die ich mir vorgenommen hatte, durchziehen, bis der Erfolg eintrat.

Entscheidend in beiden Fällen: Du musst die Situation annehmen. Außerdem stelle Dir die Frage: Was brauche ich zum Agieren? Ein bewährtes Entscheidungs- und Vorgehensmodell wird Dir dabei helfen. Wenn Dir dies gelingt, dann bleibst Du auch in schwierigen Situationen handlungsfähig.

So klappt’s auch mit schwierigen Kunden

Wie wäre es, wenn es Dir leichtfallen würde auch zu schwierigen Kunden eine Beziehung aufzubauen und diese an Dich zu binden?

Hast Du Dich schon einmal gefragt, wie es um die Beziehung zwischen Dir und Deinen Kunden steht? Sicherlich gibt es einige, mit denen Du ein gutes Verhältnis pflegst, Kunden, die Dir von Anfang an sympathisch waren. Aber was ist mit denen, die auf den ersten Blick unnahbar erscheinen, die abweisend wirken? Kannst Du Dir vorstellen, diese dennoch langfristig an Dich bzw. an Dein Unternehmen zu binden? Ich bin der Meinung Du solltest es versuchen, denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Der erste Eindruck täuscht immer wieder.

Viele Jahre leitete ich ein Unternehmen – eine international aufgestellte Mediengruppe. Dieses Unternehmen war abhängig von den großen Werbeagenturen. Die Auftragsvergabe konzentrierte sich hier auf einen verhältnismäßig kleinen Personenkreis und zu dieser Zeit stand ich im regelmäßigen Austausch mit der Geschäftsführungsebene dieser Agenturen  – dabei hat einer meiner Ansprechpartner bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ein Mensch wie Du und ich

Damals wurde mir immer etwas flau im Magen, wenn ich mit diesem bestimmten Kunden telefonierte oder mich persönlich mit ihm traf. Er war Geschäftsführer einer großen Agentur, wirkte auf mich meist unruhig und alles andere als vertrauenserweckend: Ich hatte stets das Gefühl er wolle mich über den Tisch ziehen. Wie sollte ich also handeln? Natürlich hätte ich es ihm gleichtun können, genau auf dieser Ebene weiterarbeiten und eben versuchen, mir auf seine Kosten Vorteile zu verschaffen. Doch ich wollte einen anderen Weg finden an die Aufträge zu kommen und weiter – auf angenehmerem Wege – mit diesem Herrn zusammenzuarbeiten.

Die Frage, die ich mir damals stellte: Ist der Herr wirklich so wie ich denke? Ist es wirklich eine Person, der man nicht trauen kann, eine, die ihr gesprochenes Wort nicht einhält? Oder steckt da vielleicht mehr dahinter? Vielleicht ein Mensch wie Du und ich?

Wenn die Fassade bröckelt

Ich versuchte also einen anderen Zugang zu dieser Person zu gewinnen. Wir trafen uns nun öfter zum Mittagessen und tauschten uns aus, nicht nur über Aufträge und Geschäftliches, sondern über alle möglichen Dinge. So kam es, dass sich mir schon bald ein anderes Bild des knallharten Geschäftsführers offenbarte. Auch er war ein Mensch mit Problemen und Herausforderungen, mit privaten Interessen und vielen interessanten Seiten. So wurde auch Geschäftliches einfacher und wir fanden eine Art, uns lange Jahre auf Augenhöhe zu begegnen. Noch heute pflege ich ein gutes Verhältnis zu ihm.

Wie Du mir, so ich Dir?

Mach Dir besser ein eigenes, ein freundliches Bild von Deinem Gegenüber, auch wenn Du manchmal tief graben musst. Denn so wird es Dir leichter fallen, eine persönliche Beziehung aufzubauen und die Person an Dich zu binden.

Ignoriere nicht den entscheidenden Weckruf

Wie wäre es, wenn Du Dir wirklich genau im Klaren wärst, was für Dich wichtig ist?

Selbst und ständig – zahlreiche Unternehmer arbeiten täglich nach dieser Devise. Ich selbst nehme mich da nicht aus, denn auch ich habe das viele Jahre so gemacht. Im Fokus stand stets der Erfolg, die Firma nach vorne zu bringen und etwas aufzubauen. Bis der entscheidende Weckruf kam … 

Bis dato arbeitete ich monofokussiert: alles, was nicht mit dem Erfolg meines Unternehmens verknüpft war, stand für mich hinten an. Doch eine Erfahrung lehrte mich, dass es als Unternehmer essenziell ist, ernst gemeinte Korrektive annehmen zu können.

Papa, was ist dir wichtiger?

Wieder mal waren meine Koffer für die nächste Dienstreise gepackt, standen im Flur und ich war bereit für die Abreise am nächsten Morgen. Meine Tochter, damals 7 Jahre alt, kam die Treppe herunter, warf einen Blick auf die Koffer und fragte mich dann: „Sag mal Papa, was ist dir eigentlich wichtiger, deine Firma oder wir als Familie?“ Diese Frage durchzuckte mich wie ein Stromschlag, ich war regelrecht unter Schock – damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war sprachlos und konnte ihr in dieser Situation keine Antwort geben. Am nächsten Tag trat ich (natürlich) meine Dienstreise an, flog nach Zürich aber habe diese Zeit genutzt, um intensiv nachzudenken. Und der Weckruf meiner Tochter hatte mich zu einer Entscheidung geführt.

So wollte ich nicht mehr weitermachen

Ich rief den Finanzvorstand unseres Investors an und teilte ihm mit, dass ich in dieser Intensität so nicht mehr weiterarbeiten kann und will. Jeden Dienstag frühmorgens aus dem Haus gehen und erst Donnerstag spätabends heimkommen – jede Woche andere Städte in Europa, das war für mich keine Option mehr. Meine Lösung war, zwei Führungskräfte im Unternehmen weiter zu befördern und in einer neuen Funktion für das europäische Geschäft einzusetzen. Geschenkt wäre das natürlich nicht – sondern mit Mehrkosten von ca. 250.000 Euro im Jahr verbunden. Der Finanzvorstand gab mir unmittelbar seine Zustimmung, denn er hatte genau begriffen, in welcher Situation ich mich befand.

Was ist wirklich wichtig?

Die Frage meiner Tochter danach, was mir wichtiger sei, hatte mich tief erschüttert aber gleichzeitig auch stabilisiert. Ich war jetzt endlich offen für ein Korrektiv und konnte die Richtung in meinem Leben ändern, was auch dringend nötig war. Aus eigener Erfahrung weiß ich nun, dass es sich mehr als lohnt, den emotionalen Weckruf seiner Lieben anzunehmen. Denn wer es schafft, seine Prioritäten zu ordnen, der erkennt was wirklich wichtig für ihn ist. 

Selbstüberschätzung und Überheblichkeit – ein Rezept für Desaster

Wie wäre es, wenn es Dir leichtfallen würde, die richtigen Ziele für deine Organisation zu definieren?

Es war ein trüber Abend im November 2001. Die Maschine der Crossair mit der Flugnummer 3597 befindet sich auf dem Weg von Berlin nach Zürich: Schneetreiben, niedrige Wolken und nur geringe Sicht. Die Crew bereitete sich daher auf den Landeanflug auf die Piste 14 vor – denn diese war schließlich mit einem Instrumentenlandesystem ausgestattet, dessen Leitstrahlen einerseits die Mitte der Landebahn anzeigten und andererseits den richtigen Abflugwinkel markierten. Leider nur durfte die Maschine nicht auf Piste 14 landen. Der Grund: Lärmschutz. Stattdessen wurde Piste 28 angewiesen – die hatte aber kein Instrumentenlandesystem …

Die Tragödie nimmt ihren Lauf

Bei marginalen Wetterbedingungen begab sich die Crew der Crossair 3597 in den Landeanflug. Dabei hielten sich die Piloten jedoch nicht an die vorgegebene Mindesthöhe – die Minimum Descent Altitude (MDA) – sondern unterschritten dieses Minimum gesetzeswidrig, sanken weiter: Das Flugzeug schlug vier nautische Meilen vor der Landebahn auf. Dabei hätte das Unglück durchaus verhindert werden können, wenn sich die Crew an die Regeln gehalten hätte.

Fatale Einstellung der Crew: Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit

Nach dem Absturz fragte man sich: Wie konnte das passieren? Warum missachtete die Crew die minimale Sinkflughöhe (MDA)? Die Flugunfalluntersuchung konnte hierzu die Antwort geben: Die Crew litt unter Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit und hatte dabei geltende Vorschriften gebrochen. Getreu dem Motto: Wir schaffen das unter allen Umständen! Und: Regeln, die gelten nur für andere, nicht für uns! Diese Haltung endete jedoch in einer Katastrophe.

So geht es sicher zum Ziel: Selbstwahrnehmung und -reflexion

Die Crew schaffte es nicht, ihren eigenen Wunsch, nämlich landen zu wollen, mit den aktuellen Wetterbedingungen abzugleichen. Es lohnt also, sich in kritischen Situationen zu fragen: Wo kommen meine Entscheidungen eigentlich her? Was beherrscht mich in der aktuellen Situation? Sind meine Wünsche mit dem derzeitigen Kontext überhaupt vereinbar? Um dies zu klären, solltest Du Dich der Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion bedienen. Die entscheidende Frage dabei: Warum tue ich das, was ich jetzt gleich tue? Wenn Du es schaffst die jetzige Situation mit Deinen inneren Mustern und Antreibern abzugleichen, wird es Dir in Zukunft leichter fallen, Ziele für Dich, für andere Menschen und Deine Organisation festzulegen.

Flug in die Verzweiflung

Wie wäre es, wenn es Dir leichtfallen würde, durch Change zu führen, ohne selbst Angst haben zu müssen?

Die 2000er – ein Jahrzehnt der Veränderung. Auch für mich und meinen Geschäftspartner war der Anfang der 00er-Jahre aufregend, denn wir gründeten sieben Firmen gleichzeitig im Ausland – mit nur rudimentärer Marktrecherche, ohne genug Kapital und zu dünner Personaldecke. Keine gute Idee …

Alle diese Firmen machten dann durch die Bank Verluste und jede Menge Arbeit – das einzige Unternehmen, das etwas Gewinn einbrachte, war unsere deutsche Mutterfirma. Obendrein machte uns zu diesem Zeitpunkt die Internetblase zu schaffen. Auf einem British Airways Flug nach London traf mich in dieser herausfordernden Zeit eine wesentliche Erkenntnis.

Flug in die Verzweiflung

Ich saß als Passagier in diesem Flugzeug als mir klar wurde, was hier eigentlich gerade passierte. Ich hatte mein ganzes Geld sowie das Geld meines Geschäftspartners und das von unserem Investor im Ausland investiert. Es war extrem frustrierend, als ich feststellte, dass alle diese Firmen im Verlust sind. Diese Erkenntnis traf mich so hart, dass ein Kloß in meinem Hals aufstieg und ich Mühe hatte, meine Tränen zu verbergen. Noch schlimmer: Ich hatte auch keine Idee mehr, was ich jetzt tun sollte. Da kam mir ein Begriff aus der Fliegerei in den Sinn: »level your wings first« – leg´ als allererstes die Tragflächen gerade. Das heißt, kümmere dich zunächst um das Allerwichtigste – richte die Tragflächen gerade aus, mache keine komplizierten Bewegungen, keine Sink- oder Kurvenflüge. Für Piloten die entscheidende Devise in schwierigen Situationen, in denen man vielleicht für einen Augenblick desorientiert ist und erstmal das Flugzeug stabilisieren muss.

»Level your wings first« – konzentriere Dich auf das Wesentliche

Dieser Begriff aus der Fliegerei, also sich auf das Wichtigste zu konzentrieren und Dinge zu vereinfachen, fiel mir in diesem Moment der Verzweiflung ein und ich machte mir noch während des Flugs Notizen zu den 5 wichtigsten Dingen und setzte diese in den nächsten 2 Tagen der Reihe nach um. Das hat mir wieder Handlungsfähigkeit beschert und es ist mir so leichter gefallen, durch den nötigen Change-Prozess zu führen, ohne selbst weiter Angst haben zu müssen.

Mein Know-how auf dem Gebiet der Fliegerei hat mich so stabilisiert. Wenn auch Du in einer Krise bist, kann es Dir helfen, Dich auf das Naheliegende zu konzentrieren.

Wie wäre es, wenn es Dir leichtfallen würde, Dich in jedem Personenkreis natürlich zu bewegen?

Kennst Du das Gefühl, wenn Du im Gespräch mit einer anderen Person merkst, dass diese nicht »echt« ist? Aufgesetztes, unnatürliches Verhalten führt dazu, dass wir unserem Gegenüber mit Abstand begegnen und gleich eine Gegenposition einnehmen. Auch bei Menschen, die uns gleich ihre ganze Lebensgeschichte erzählen, bleiben wir skeptisch. Das Geheimnis im Kontakt mit anderen liegt darin, dass wir das was wir sagen, erkennbar auch wirklich so meinen – und uns im richtigen Maß zeigen.

Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre war ich als Verkäufer bei IBM in Düsseldorf angestellt und erinnere mich gern an meine damalige Abteilung. Wir waren eine richtig gute Truppe, duzten uns und arbeiteten harmonisch zusammen. Unser Chef hingegen war etwas distanzierter. Er war primär immer »nur« der Vorgesetzte. Ist dies nun etwas Schlechtes?

Wissen woran Du bist

Bei unserer damaligen Führungskraft wussten wir jedoch eine Sache ganz genau. Und zwar woran wir sind. Es gab keine Unsicherheiten, denn es ist ihm immer gelungen uns spüren zu lassen, dass er das was er sagt auch wirklich meint und das, was er meint auch wirklich sagt. Eine rundum gute Sache, die unsere Zusammenarbeit extrem bereicherte. Die klare Kommunikation und das hohe Maß an Authentizität dieser Führungskraft haben wesentlich zum Erfolg unserer Teamarbeit beigetragen.

Authentizität – der Schlüssel für gelingende Zusammenarbeit

Das Agieren unserer damaligen Führungskraft bei IBM war für mich eine »dosierte Selbstoffenbarung«. Mein ehemaliger Chef hat genau das preisgegeben, was er wollte und das machte ihn überaus authentisch und glaubwürdig uns, seinen Mitarbeitern, gegenüber aber auch für alle anderen Gesprächspartner. Aus dieser Zeit habe ich mitgenommen: Wenn es gelingt, eine echte Beziehung und das richtige Maß an Bindung anzubieten und darüber hinaus andere Menschen seine eigenen Werte spüren zu lassen, entsteht ein ehrliches Miteinander. Gelingt dies, dann bewegst auch Du Dich völlig authentisch und normal gegenüber Kollegen- und Führungskräften und in jedem anderen Personenkreis.